Soso, Mädchen sollen sich also die ganze Nacht lang am Computer ausprobieren und damit der besonders wichtige “Fun-Faktor” hoch genug bleibt, müssen Jungs draußen bleiben. Zu meiner Zeit haben Jungs auf LAN-Partys noch Computerspiele und nicht sich selber ausprobiert, Mädchen waren gern gesehene Gäste oder Teilnehmer und man wurde nicht für die Selbstzwecke irgendwelcher Unternehmen missbraucht.
Auf der Veranstaltung werden übrigens tatsächlich Computerspiele ausprobiert. Ziel und Zweck des Ganzen ist das Wecken von Neugier und die Vermittlung von grundlegenden Computerkenntnissen und vielleicht einen kleinen Schubs die Berufswahl doch auf den Bereich der Informatik bzw. Informationstechnik zu legen. Nach erfolgreicher Teilnahme erhalten die Schülerinnen ein “I’m an IT-Girl”-Zertifikat. Ob man ihnen mit einer richtigen Schulung und einem Office-, Internet-, Programmiersprachen-, und/oder Computertechnik-Zertifikat nicht einen größeren Gefallen getan hätte, sei mal dahingestellt.
Da meint man vermeintlich etwas Tolles für die ach so benachteiligten Mädchen zu tun, und bedient im blinden Aktionismus gerade die Klischees, die man eigentlich abbauen möchte: Mädchen seien in technischen Dingen leicht überfordert und daher müsse man sie langsam an solche Dinge heranführen. Schade für diejenigen, die sich wirklich für Informatik interessieren und über das Ausprobieren von Computerspielen schon hinaus gekommen sind; aber die würden sich über das “I’m an IT-Girl”-Image vermutlich eh nicht freuen. (Ich hoffe jedenfalls auch ohne “I’m an Engineering-Boy”-Zertifikat bei künftigen Bewerbungen ernst genommen zu werden.)
Nicht das man mich falsch versteht: Die Idee, dass die Mädchen, die vielleicht eher Scheu vor dem Thema Computer haben, neugierig werden und sich daraufhin weiter mit dem Thema beschäftigen und mit ihrer geweckten Neugier etwas Sinnvolles anfangen, mag ja gut gemeint sein; warum aber stellt man nicht gleich etwas Sinnvolles an und versucht zu vermitteln, dass auch echtes Wissen Spaß machen kann? Achja, der “Fun-Faktor” wäre wohl nicht hoch genug. Wobei man an dem Abbau solcher Klischees durchaus arbeiten könnte.
